• DSDS vs. American Idol
vom: 04.05.2007 12:05


Gestern hatte ich das Vergnügen, eine Folge der amerikanischen Variante von `Deutschland sucht den Superstar` namens `American Idol` anzusehen. Wer die Gelegenheit hat, der soll sie bitte nutzen, denn es lohnt sich wirklich. :)

Da gibt es Kandidaten, die wirklich singen können. Ehrlich. Ganz sicher. Die haben Volumen, die Töne sitzen, Ausdruck und Dynamik in der Stimme - so wie ich es in der aktuellen Staffel von DSDS allenfalls bei Francisca Urio bemerkt habe.

Der Audio-Mix stellt die Vocals bei den Auftritten klar in den Vordergrund, die Musik ist eher `zu leise`, was einer echten Begutachtung der Stimme der Kandidaten jedoch immens zugute kommt. Wenn ich daran denke, wie die Piepsstimme von Lauren Talbot in der deutschen Ausgabe in der Musik ertränkt wurde: Sehr angenehm.

Entgegen meiner Befürchtung, dass viele Amerikaner durchaus eine gewisse Oberflächlichkeit an sich haben, spielte das Äußere bei den Kandidaten praktisch keine Rolle. Schlanke Blondinen sucht man darunter vergebens, was zählt ist die Stimme und das Auftreten - ganz so, wie es für einen Star auch sein sollte. Pummelchen und Pferdegebisse sind in den USA offensichtlich kein Hindernis, `American Idol` zu werden - sehr gut.

Das Geld, das über die Anrufe hereinkommt, landet nicht beim Sender FOX, sondern kommt notleidenden Kindern zu Gute, wofür sich in einem Einspieler George Bush mit Ehefrau ausdrücklich bedankten. Wenn das keine Motivation ist, einmal mehr anzurufen.

Das Motto der Show war `Bon Jovi Songs`, und wer hat wohl die Kandidaten die Woche über gecoacht? Der Meister persönlich, in zahlreichen Ausschnitten zu sehen. Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses, d. h. wer ausscheiden muss, war Jon auch live in der Show zu Gast.

Die Juroren (die Grammy-Gewinner Paula Abdul und Randy Jackson sowie Produzentenlegende Simon Cowell) haben Sachverstand und im Musikgeschäft tatsächlich etwas geleistet. Sie können sogar korrekte Sätze in ihrer Muttersprache bilden - etwas was ihren deutschen Kollegen völlig fremd ist (`du hast voll abgeliefert`). Sie werden dabei weder glitschig (Bohlen) noch sentimental (Henn) und wirken auch nicht künstlich jugendlich (Lukaseder), sondern authentisch.

Der Moderator Ryan Seacrest ist schnell, lebhaft, bringt die Show nach vorne, und vor allen Dingen: Er moderiert allein und von allen denkbaren Positionen im Studio aus. Der deutsche Knuddelbär-Ossi Marco Schreyl war in den ersten Mottoshows noch akzeptabel, zusammen mit dieser unerträglichen Holländerin, deren Name ich mir nicht merken möchte, wiegen die beiden das Publikum jedoch sanft in den Schlaf, und die gekünstelt abwechselnde Moderation nervt einfach nur tierisch an.

Fazit: Die Amis führen wieder mal vor, wie man so etwas richtig angeht und das Publikum begeistert. Was RTL mit DSDS abliefert, ist unterstes Niveau und das liegt nicht nur an Bohlen. In keinem Fall wird die deutsche Variante dem Konzept der Show gerecht, denn mit Talentsuche hat DSDS nicht das Geringste zu tun. :(