• Paradox - vom Umgang mit der Zeit
vom: 13.03.2007 20:46


Ist es nicht schön, dass wir alle immer älter werden? Jeder von uns hat im Schnitt 15-20 Jahre mehr Lebenszeit, als den Menschen vor 100 Jahren zur Verfügung stand. Was könnte man damit alles anstellen.

Komisch nur, dass unser Leben immer schneller passieren muss. Die Regelstudienzeit unserer Studenten wird immer kürzer. Das Abitur macht man inzwischen nach 12 statt 13 Schuljahren. Frühkindliche Förderung ist mega-aktuell, schon im Kindergarten wird gepaukt, was das Zeug hält.

Am liebsten kriegen Kinder noch im Bauch die ersten Englisch-Kassetten vorgespielt, damit sie hinterher ein besseres `Feeling` für die Fremdsprache haben. Kann ein Kind mit zwei Jahren noch nicht perfekt sprechen, dann rennen Eltern sofort mit ihm zum Arzt.

Eigentlich sollte man meinen: Wo für jeden von uns mehr Zeit ist, da kann man sich auch mehr Zeit lassen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die Welt wird immer schneller und hektischer. Vor 20 Jahren war es völlig normal, nicht erreichbar zu sein. Wer heute nicht sein Handy permanent mit sich führt, und mindestens dreimal am Tag in sein E-Mail-Postfach schaut, der ist out, von gestern, lahm, ein Relikt.

Ich zähle gewiss nicht zu den ewig Gestrigen - neue Entwicklungen bieten immer auch Chancen, die man nutzen sollte - wieso würde ich sonst ein Blog schreiben ;). Muss man aber sein Leben so leben, als sei man Teilnehmer an einer nicht endenden Hetzjagd? Wer stellt diese Spielregeln eigentlich auf? Und sind sie tatsächlich verbindlich?